Grußwort: Dr. Barbara Hendricks, Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit

Das Forum Wärmepumpe findet nun bereits zum 14. Mal statt. Die Veranstaltung hat sich als Plattform für Diskussionen über politische Rahmenbedingungen und Innovationen im Bereich Wärmepumpentechnologie etabliert. Es wirkt nicht nur innerhalb der Branche, sondern auch in Wirtschaft und Politik hinein. Die Schirmherrschaft habe ich daher gern übernommen, gibt sie mir doch Gelegenheit, im Rahmen unserer Klimaschutzpolitik auf die wachsende Bedeutung effizienter Wärmeversorgung mit erneuerbarem Strom hinzuweisen.

Im vergangenen Jahr wurde in Paris ein entscheidender Durchbruch in der internationalen Klimapolitik erreicht. Wir sind in eine neue Ära der internationalen, solidarischen Zusammenarbeit zu Rettung unseres Klimas eingetreten. Das Pariser Abkommen richtet sich an alle Staaten und der unerwartet rasche Ratifizierungsprozess belegt das breite Verständnis für das Anliegen. Deutschland wird zu seiner Verantwortung stehen, wie die breite Zustimmung zur Ratifizierung des Abkommens im Deutschen Bundestag deutlich macht.

Damit sind die Eckpfeiler der notwendigen Klimapolitik definiert. Wir müssen bis 2050 eine weitgehende Treibhausgasneutralität unserer Wirtschaft und Gesellschaft erreichen. Dieser Wandel ist eine große Herausforderung für uns alle. Der Anfang September vom BMUB vorgelegte Entwurf eines Klimaschutzplans soll langfristige Orientierung für alle Akteure bieten. Dabei sehe ich in der anstehenden Transformation die große Chance, sie als Modernisierungsprogramm der Volkswirtschaft aufzufassen. In nahezu allen Bereichen werden Investitionen in neue Technologien und Ideen und in Effizienz benötigt.

Ein weiterer Grundstein dafür wurde durch den Beteiligungsprozess zum Klimaschutzplan gelegt. Es wird entscheidend sein, dass wir möglichst viele investive Fehlentscheidungen vermeiden, denn Infrastrukturen, Gebäude und Anlagen haben eine hohe Lebensdauer. Sie wissen um die Bedeutung des Wärme- und Kältemarktes für die Erreichung der Klimaziele. Der Wärmemarkt verursacht derzeit rund 40 Prozent unserer Treibhausgasemissionen. Die Wärmepumpentechnologie kann maßgeblich dazu beitragen, dass wir unsere energiepolitischen Ziele erreichen.

Sie stellt eine Brücke zwischen Wärmesektor und zukünftig erneuerbarem Stromsektor dar. Die Vernetzung zwischen erneuerbarem Strommarkt und weiteren Verbrauchssektoren, wie Verkehr oder Wärme, wird entscheidend zum Erfolg beitragen. Unter Einbeziehung digitaler Mess- und Steuerungstechnik wird ein optimiertes Lastmanagement möglich, und fossile Energieträger werden nicht länger benötigt. Auch die Hybridisierung von Wärmepumpen und Eigenstrom aus Photovoltaikanlagen und Stromspeichern bieten interessante Möglichkeiten. Ihr Bundesverband Wärmepumpe arbeitet bereits aktiv in diese Richtungen (bspw. „Smart Grid Ready“-Label).

Ich freue mich über die Innovationskraft in Ihrer Branche, denn es bleibt viel zu tun. Der Klimaschutzplan 2050 benennt zentrale weitere Herausforderungen im Bereich des klimafreundlichen Bauen und Wohnens.

Wir müssen bei der Sanierung des Gebäudebestandes vorankommen. Wir brauchen bessere Ideen für ein gesundes Wohnklima und ressourcen- und energieschonende Bauweisen. All dies muss über einen geeigneten Instrumentenmix aus Ordnungsrecht, Förderung und Information erreicht werden. Dabei muss Wohnen bezahlbar bleiben, und die Instrumente müssen dem Wirtschaftlichkeitsprinzip verpflichtet sein. Es gibt also noch viel Raum für die fachliche Diskussion. Meine besten Wünsche begleiten Sie daher bei diesem 14. Forum Wärmepumpe.

 

Ihre Barbara Hendricks

Interview mit Prof. Dr. Volker Quaschning

„Eine vollständige Dekarbonisierung der Sektoren Wärme und Verkehr ist bei uns nur durch einen deutlich gesteigerten Einsatz von regenerativem Strom erreichbar.“

Prof. Quaschning, was verstehen Sie eigentlich unter Sektorkopplung?

Der Begriff Sektorkopplung wird in der Fachwelt erst seit kurzem intensiv diskutiert. Zum Erreichen der Pariser Klimaschutzziele müssen wir unsere Kohlendioxidemissionen aus der Nutzung von Erdöl, Erdgas und Kohle spätestens bis zum Jahr 2040 auf null zurückfahren. Weder im Sektor Elektrizität noch in den Sektoren Wärme und Verkehr dürfen dann noch fossile Energieträger eingesetzt werden. In Deutschland ist eine vollständige Dekarbonisierung der Sektoren Wärme und Verkehr nur durch einen deutlich gesteigerten Einsatz von regenerativem Strom erreichbar. Es kommt also zu einer Sektorkopplung, indem der Elektrizitätssektor mit zur Reduktion der Kohlendioxidemissionen der Wärme und des Verkehrs beiträgt.

Unter welchen Voraussetzungen ist Sektorkopplung sinnvoll?

Wird Kohlestrom zum Betrieb von elektrischen Heizungen oder Elektroautos verwendet, steigen die Kohlendioxidemissionen sogar an. Wir brauchen für eine erfolgreiche Sektorkopplung daher eine Elektrizitätsversorgung, die vollständig durch erneuerbare Energien gedeckt wird. Um das zu erreichen, müssen der Ausbau der Photovoltaik und der Windkraft deutlich gesteigert und ein Kohleausstieg bis zum Jahr 2030 beschlossen werden.

Strom im Wärmemarkt galt bislang als verpönt. Woher kommt dieser recht plötzliche allgemeine Sinneswandel?

Früher stammte der Strom im Wärmemarkt ja von Atom- und Kohlekraftwerken mit den bekannten Problemen und Risiken. Inzwischen kommt aber schon ein Drittel unseres Stroms aus erneuerbaren Kraftwerken. Die technischen und ökonomischen Potenziale in Deutschland zur Nutzung der Biomasse, Tiefengeothermie und Solarthermie im Wärmebereich sind begrenzt. Damit ist bei uns Strom aus Solar- und Windkraftanlagen die einzige Option, den Wärmebereich wirklich vollständig zu dekarbonisieren.

Was kann die Politik dafür tun, um dies umzusetzen?

Zum Erreichen der Pariser Klimaschutzziele muss das Tempo der Energiewende um den Faktor vier gesteigert werden. Es reicht nicht, ein Abkommen ohne jeglichen Plan zu unterschreiben. Für das Erreichen der Ziele sind nun endlich auch Taten erforderlich. Neben einem deutlich schnelleren Ausbau der Photovoltaik- und Windkraft und einem sozialverträglichen Kohleausstieg bis 2030 ist für einen erfolgreichen Klimaschutz auch das baldige Verbot von Autos mit Verbrennungsmotoren und von Öl- und Gasheizungen erforderlich. Je länger wir damit warten, desto komplizierter und teurer wird am Ende die Energiewende, da wir dann fossile Heizungen und Autos schon vor dem Ende ihrer Lebensdauer wieder aus dem Verkehr ziehen müssen.

Interview mit Dr. Martin Pehnt

„Die Vereinbarungen von Paris bedeuten: Wir müssen noch konsequenter Klimaschutz betreiben und den Wärmemarkt fast vollständig bis 2050 dekarbonisieren.“

Dr. Pehnt, was bedeutet das Pariser Klimaabkommen für den deutschen Wärmemarkt?

Bisher haben wir sehr stark in einer Welt gedacht, in der eine Treibhausgas-Reduktion in Deutschland von 80 Prozent bis 2050 ausreicht. In einer solchen Welt ist es nicht zwingend erforderlich, fossile Energieträger vollständig aus dem Wärmemarkt zu verbannen.
Die Vereinbarungen von Paris bedeuten: Wir müssen noch konsequenter Klimaschutz betreiben und den Wärmemarkt fast vollständig bis 2050 dekarbonisieren. Das liegt auch daran, dass es Sektoren gibt, in denen eine Treibhausgas-Minderung noch schwieriger ist – ich denke etwa an die Landwirtschaft oder bestimmte Industrieprozesse. Mit anderen Worten: Die Wärmebereitstellung muss aus erneuerbaren Energien kommen. Und da Biomasse potenzialseitig begrenzt ist und auch der Verkehrssektor, der industrielle Prozesswärmemarkt und der Markt für chemische Rohstoffe Biomasse nachfragen werden, kommt der Wärmepumpe eine besondere Rolle zu.
Wichtig dabei ist aus meiner Sicht: Hocheffizienz und ein „systemdienlicher Betrieb“ werden in den nächsten Jahren an Bedeutung gewinnen, um eine stromseitige Integration zu gewährleisten. Besonders spannend finde ich dabei Hybridsysteme, die Wärmepumpen mit brennstoffbasierten Spitzenkesseln verknüpfen. Dänemark zeigt uns übrigens auch, dass in innovativen Wärmenetzen auch die Kombination von Großwärmepumpen mit Solarthermie und ggf. weiteren Wärmequellen inklusive Kraft-Wärme-Kopplung ein interessantes Konzept sein kann.

Wie müsste sich der Wärmemarkt im Hinblick auf die Klimaziele künftig entwickeln?

Interessant ist ja, dass wir einen nahezu klimaneutralen Gebäudebestand anstreben, dies aber über Primärenergiefaktoren bemessen, in denen sich die unterschiedlichen CO2-Intensitäten der Brennstoffe gar nicht widerspiegeln. Wir müssen jede Sanierungschance bestmöglich nutzen – Stichwort Sanierungsfahrplan – und den Kraftwerkspark konsequent umbauen – mit einem weiterhin ehrgeizigen und kostenoptimierten EEG und mit einem revidierten Emissionshandel. Die Wärmeerzeugung aus Wärmepumpen wird davon profitieren, denn im Verbund mit erneuerbaren Energien entfaltet sie ihr ganzes Potenzial.

Setzt die Bundesregierung die richtigen Impulse, bspw. mit der Energieeffizienzstrategie Gebäude und dem Grünbuch Energieeffizienz?

Ich glaube, es ist richtig, einen Schritt zurückzutreten und zu analysieren, ob wir mit unserem jetzigen Gefüge aus Informieren, Beraten und Fördern diese weitreichende Wärmewende schaffen. Wir sind schon weit gekommen. Neben der Energieeinsparverordnung setzen ausgefeilte Beratungsprogramme, Kampagnen, Checks und Förderprogramme Marktimpulse. Gleichzeitig beginnen wir allmählich, den Überblick zu verlieren. Mit einer gezielten Förderverschlankung und mit einer engen Verzahnung zwischen Beratung und Förderung kommen wir einen Schritt weiter.
Aber dies wird nicht reichen, um Paris gerecht zu werden. Im Wärmemarkt dämpfen die derzeitigen Energiepreise für Heizöl und Erdgas - die auch die Klimaschadenskosten nicht angemessen widerspiegeln – die Marktdynamik. Mit einem „Klimasoli“ könnten wir dies ändern und damit den erneuerbaren Energien einen fairen Schub geben. Diesen Klimasoli sollte man aufkommensneutral und verteilungsgerecht wieder zurückgeben, als Pro-Kopf-Dividende oder Senkung der Stromabgaben.
Daneben müssen wir auch über Maßnahmen im Mietrecht (Stichwort: Warmmietenneutralität) und bei der Wärmeplanung sprechen. Auch hier zeigt uns Dänemark: Systematische Wärmenutzungskonzepte vermeiden konzeptlose Einzelmaßnahmen und führen zu einem Quartiersdenken in der Wärmeplanung. Und wir sollten regionale Anlaufstellen und „one stop shops“ schaffen – Sanierungsnetzwerke –, in denen Endkunden, Handwerker und Architekten zusammenfinden und Quantität und Qualität der Sanierung maximiert werden.

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Programm

Der Rahmen steht bereits - das vorläufige Programm wird Anfang August veröffentlicht.

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Zahlreiche Firmen, Verbände und Zeitschriften unterstützen das 13. Forum Wärmepumpe.

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